Einweihung des Gedenkortes für die im Nationalsozialismus ermordeten Menschen aus Worpswede am 27.01.2026

Am Dienstag, 27. Januar 2026, wurde der Gedenkort für die im Nationalsozialismus ermordeten Menschen aus Worpswede eingeweiht. Es war eine würdige Veranstaltung, unter anderem mit einer Rede unseres Mitglieds Ian Bild. Wir danken der Arbeitsgruppe „Aufarbeitung der NS-Zeit in Worpswede“ im Heimat-und Geschichtsverein Worpswede e. V. für die Recherche und den Einsatz!

Wir gedenken

Rosa Abraham
Berend Beiser
Gesine de Carné
Meta Gartelmann
Hinrich Gerken
Elisabeth Hering
Merri Leeser
Anna Meta Gesine Lücke
Heinrich Mahnken
Johanne Mölders
Eberhard Osthaus
Elise Otten
Gabriela Przygoda
Johanne Sanders
Meta Scholz
Sophie Schwabe
Meta Siemers
Anna Stelljes
Walter Steinberg
Johann Viohl

Auf der Website des Heimat- und Geschichtsvereines sind die Biografien der Opfer zu finden.

Gedenkrede zum 27. Januar 2026– Internationaler Holocaust-Gedenktag

Ian Bild

Heute sind wir hier, um aller Opfer des Nationalsozialismus, zu gedenken. Am Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz gedenken wir besonders der Opfer der Schoah.

In den vergangenen Jahren haben wir uns an diesem Tag am Rosa-Abraham-Platz versammelt. Heute stehen wir aus gutem Grund am Rathaus der Gemeinde Worpswede. Doch in unseren Gedanken sind wir weiterhin bei Rosa Abraham und ihrer Familie. Rosa Abraham wurde 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Ihren Kindern und Enkeln gelang die Flucht aus Deutschland.

Die Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden und die von über 300 000 ermordeten Menschen mit Behinderung – auch aus Worpswede – war systematisch und geplant. Sie geschah allein deshalb, weil sie Jüdinnen und Juden waren oder der Rassenvorstellung des Nationalsozialismus nicht entsprachen. Dieses Verbrechen war einzigartig in seiner Grausamkeit. Doch auch viele andere Menschen litten unter der Ideologie der Nationalsozialisten und wurden verfolgt und ermordet: Sinti und Roma, politische Gegner, Homosexuelle und viele andere.

Jeder Mensch hatte einen Namen. Jeder Mensch hatte eine Geschichte. Und jede dieser Geschichten war einzigartig. Die Namen der Opfer aus Worpswede stehen hier vor uns auf der Stele. Sie erinnern uns daran, dass es sich nicht um Zahlen handelt, sondern um Menschen.

Vor Kurzem habe ich mit Irene Goldsmith gesprochen, der Urenkelin von Rosa Abraham, die heute in der Nähe von New York lebt. Sie hat uns gebeten, nicht nur an die Ermordeten zu denken, sondern auch an die Überlebenden. An die Menschen, die diese Qualen überlebt haben. Viele von ihnen verloren ihre Familien, ihre Freunde und ihre Heimat. Viele trugen ihr Leben lang die Narben des Erlebten. Und dennoch haben sie ihre Geschichten weitergegeben – damit wir nicht vergessen.

Irene Goldsmith hat gebeten, dass wir heute das folgende Gedicht vorlesen:

„Pity the Nation“ – auf Deutsch „Beklage die Nation“

von Lawrence Ferlinghetti (nach Khalil Gibran)

Dieses Gedenken soll uns mahnen. Es erinnert uns an unsere Verantwortung: an die Verantwortung, für Menschlichkeit einzustehen und uns klar gegen Hass, Rassismus und Antisemitismus zu stellen.

Die Erinnerung an die Opfer darf niemals verblassen. Der Rosa-Abraham-Platz bleibt deshalb an diesem Tag in unseren Herzen. Unseren Dank gilt dem Bürgermeister und der AG Aufarbeitung der NS-Zeit. Wir danken auch all jenen, die sich seit Jahren am 27.Januar auf dem Rosa-Abraham-Platz versammelt haben. Heute stehen wir hier am Rathaus der Gemeinde Worpswede – aus gutem Grund. Unsere heutige Demokratie, mit all ihren Problemen, ist ein Bollwerk gegen Autokratie und Faschismus und all ihren Gefahren. Wir hoffen, dass auch nach den Kommunalwahlen im September die Unterstützung des Gemeinderats und des neuen Bürgermeisters für das Gedenken weiter fortgeführt wird. Aus der Geschichte zu lernen und unsere Demokratie zu verteidigen, ist unsere Aufgabe – damit sich solche Verbrechen niemals wiederholen.

Wir werden nun die Namen der zwanzig Worpsweder Opfer verlesen.

Danach lassen Sie uns einen Moment schweigen. Einen Moment, um uns vorzustellen, wie es gewesen sein muss, von der eigenen Familie getrennt zu werden. Aus dem vertrauten Leben gerissen zu werden. Alles zu verlieren, was Sicherheit bedeutete. Lassen wir diese Gedanken für einen Augenblick zu. Und gedenken wir der Worpsweder und Worpswederinnen, die von den Nazis und ihren Helfershelfern in den Tod getrieben oder ermordet wurden.